Aus dem Korrekturkästchen: Ein bisschen Plagiieren gibt es nicht

Ein paar Wörter umzustellen, reicht nicht aus, um dem Plagiatsvorwurf zu entgehen. Worauf Studierende achten sollten, skizziert der folgende Beitrag.

Geübten Lesern fallen Plagiate auf. Auch ohne maschinelle Überprüfung.

Wird mir eine Arbeit zur Korrektur anvertraut, passiert es bei der Fehlersuche zunehmend häufiger, dass mir einzelne Textpassagen auffallen, die so ganz und gar nicht ins Gesamtbild passen. Fehlerfreie Sätze, im reichhaltigen Nominalstil, mit passenden Funktionsverbgefügen, korrekter n-Deklination und was sonst so alles zum wissenschaftlichen Klappern gehört. Manchmal ist es auch nur eine winzige Änderung im Stil, im Rhythmus, in der Betonung. Das ist dann der Moment, in dem ich einen solchen Satz kopiere, ihn in eine gebrauchsübliche Suchmaschine eingebe und feststelle, dass mich mein guter Riecher mal wieder nicht getäuscht hat. 1:1 übernommen, allenfalls ein Komma fehlt. Gebe ich dieselbe Passage anschließend in einen kostenlosen Plagiatsfinder ein, schlägt dieser nicht unbedingt Alarm. Ich habe wohl doch mehr Erfahrung, was das Aufspüren von Plagiaten anbelangt. Auch wenn mir überhaupt nichts daran liegt.

Plagiat bleibt Plagiat. Auch mit Quellenangabe.

Nicht immer sind sich die Studierenden des Umstandes bewusst, dass sie plagiieren. Oder etwas milder ausgedrückt: falsch zitieren. Sehr häufig geben sie nämlich die Quelle an, verzichten nur leider auf die Anführungszeichen. Wenn dies gelegentlich geschieht, wird – sofern es sich nicht um die Doktorarbeit eines bekannten Politikers handelt – daran hoffentlich niemand Anstoß nehmen. Wenn dies aber die Regel ist oder ich feststellen muss: Hier wurde Seite um Seite abgeschrieben und nur auf den Originaltext verwiesen, nicht aber korrekt zitiert, weise ich die Studierenden darauf hin und bitte sie um eine eigenständige Formulierung. Viele sind dann erstaunt. Aber ich habe doch … Daher hier noch einmal die Spielregeln kurz erklärt:

Zitate kennzeichnen

Zitieren: In wissenschaftlichen Arbeiten darf, muss, soll zitiert werden. Zitieren bedeutet: Der Verfasser gibt den exakten Wortlaut einer Textpassage wieder. Setzt diesen in Anführungsstriche und hängt einen Kurzbeleg dahinter: „blablablablabla“ (xy: 2013, S.12). Randbemerkung: Manche Studiengänge und auch manche Professoren/Professorinnen haben sehr eigenwillige Vorstellungen davon, was eine gute Zitierweise ist. Am besten vorher absprechen!

 

Einfache Umstellungen bleiben Zitate

Eine wenig veränderte Wiedergabe: Frau Professor Dr. Altmüller-Wiesenteich hat in ihrer Publikation geschrieben: „Die Wiederholung sprachlicher Äußerungen ist irreversibel kenntlich zu machen.“ Daraus wird dann umformuliert: Die Wiederholung von Äußerungen sprachlicher Art ist in der Regel irreversibel kenntlich zu machen. Oder: Werden sprachliche Äußerungen wiederholt, ist dies irreversibel kenntlich zu machen. Schnell noch die Quellenangabe dahinter und alle sind zufrieden – oder? Die Uni sagt Nein! Jedenfalls dann, wenn jemand aufmerksam liest. Denn auch hier handelt es sich um ein Zitat, das nur unwesentlich verändert wurde. Der Vorwurf des nicht fachgerechten Zitierens könnte weiterhin erhoben werden.

 

Selbst formulieren u n d belegen

Stattdessen zitiert man also entweder gleich den exakten Wortlaut. Mit Anführungsstrichen und Beleg. Ohne Fehler. Oder aber man formuliert den Gedanken neu: Nach bisherigem Forschungsstand sollte das, was bereits gesagt wurde, unveränderbar markiert werden. Und gibt dann an, worauf sich diese Aussage stützt: (vgl. Altmüller-Wiesenteich: 2013, S.10).

 

Unique Content in der Wissenschaft – aber immer mit Verbeugung

Fazit: Niemand verlangt von Studierenden, dass sie die Welt der Wissenschaft in Hausarbeiten, Bachelor- oder Masterarbeiten neu erfinden. Im Gegenteil. In der Regel wird erwartet, dass sie sich erst einmal verneigen vor dem, was andere große Geister vor ihnen herausgefunden haben. Dieses Wissen soll zusammengetragen, ordentlich gegliedert und dargestellt/diskutiert werden. Ausgenommen natürlich, die Studierenden haben selbst an etwas gebastelt oder etwas gemessen. Dann bitte nicht die eigenen Ergebnisse an die anderer Autoren anpassen!

Auf die Vorarbeiten kommt es an

Mein Tipp: Am besten ist es, schon während des Lesens von Fachliteratur alles, was für die Arbeit wichtig sein könnte, in eigenen Worten zu formulieren. Also einen Co-Text zu schreiben, keinen Copy-Text. Ich selbst habe immer erst Titel und Autor notiert, dann darunter die wichtigen Passagen (Seitenzahlen für die Vergleichsangabe nicht vergessen!). In eigenen Worten. Und nur dann, wenn mein Herz für eine spezielle Formulierung entflammte oder wenn es – aus Gründen! – wichtig war, exakt zu zitieren, habe ich Textpassagen 1:1 notiert. Positiver Nebeneffekt: Wer versucht, die wichtigen Inhalte neu zu formulieren, merkt, was er verstanden hat und was nicht. Und prägt sich den Gedanken, die These, die Logik gleich ein. Anschließend lässt es sich dann viel freier schreiben, als wenn man vor einer Ruine aus Zitaten sitzt und nun erst versucht, alles noch einmal selbstständig zu einem schönen Gebäude zusammenzubauen.

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