Panda Update – Belohnung der guten Texter?

von Lektorat in Bremen, Sonntag, 14. August 2011 um 19:19 ·

Panda! schreit es im August 2011 durch das deutschsprachige Netz. Ein Verzweiflungsschrei der Verlierer, ein Jubelschrei der Gewinner. Was da so beschrien wird, ist ein Update, das Google zunächst in den USA, nun auch in Deutschland aufgezogen hat. Dadurch wird der Google-eigene Suchmaschinenalgorithmus einschneidenden Veränderungen unterzogen. Bisher konnte man ja schreiben, was man wollte – Hauptsache, die Keywords stimmten. Als Internetnutzer auf der Suche nach Informationen geriet man daher oft in den Strudel völlig unsinniger, überflüssiger, sich selbst wiederholender Textfragmente. Nunmehr hat Google selbst diesem hemmungslosen Treiben den Kampf angesagt und wähnt sich mit Panda im Besitz einer mächtigen Waffe. Content ist nicht mehr suchmaschinenoptimierter Content, wenn er keine „tieferen“ Informationen liefert. Wenn er nicht relevant ist. Keine Neuerungen bietet oder ganz einfach von besch… Qualität ist.

Zu den Verlierern zählen daher vor allem Webseiten, die billigen Content anbieten, der keinerlei Informationsgehalt umfasst. Artikelverzeichnisse, sogenannte Content-Farmen, vermeintliche Presse-Portale, Frage-Antwort-Seiten, die wenig bis kein echtes Wissen zu vermitteln haben. Die Frage, die sich mir persönlich jedoch aufdrängt, lautet, woher der Google-Suchmaschinenalgorithmus weiß, was echtes, tieferes Wissen ist. Welches Wissen nützlich und brauchbar ist. Doch dazu später.

Bessere Texte durch das Panda-Update?

Für uns Texter bedeutet das doch zunächst einmal, dass wir uns mit den Gewinnern freuen dürfen. Vorausgesetzt, wir schätzen unsere Texte, unsere Fähigkeiten, zu schreiben, mehr als das rasche Geldverdienen durch in die Tastatur gehackte Wortmonster. „SEO Management online verdienen rasch Geld“ – solche Wortungeheuer, die wir vielfach in die geforderten Texte einzufügen gezwungen wurden, dürfte es demnach nicht mehr geben. Oder allseits beliebte Anweisungen wie:  Schreiben Sie mir doch bitte rasch 300 Wörter. Fügen Sie „Online Marketing billig“ 150 Mal ein. Verzichten Sie einfach auf unnötige Füllwörter … Tja, da gibt es ja auch nicht viel zu füllen. Eher fühlt man sich  ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Ausgeweidet, aber gut gefüllt. Panda tut Texten und Textern gleichermaßen gut, sollte man meinen. Denn endlich werden auch die Auftraggeber begreifen, dass SEO nicht „Sammlung extremer Oberflächlichkeiten“ bedeuten kann und muss.

 Der Suchmaschine liegt die Suchmaschine am Herzen, nicht die Qualität von Texten.

Wo es Verlierer gibt, freuen sich die Gewinner. Womit wir wieder bei der Frage wären, wie ein netter kleiner Bär von unscheinbarem Verstand eigentlich die Guten von den Bösen trennt. Wodurch entstehen Tiefe und Qualität in der Berichterstattung? Schauen wir uns an, wer da bereits aussortiert wurde.

Den Hintergrund der ganzen Aktion bildet der Umstand, dass Google selbst wegen der miesen Qualität seines Rankings das Vertrauen vieler Suchmaschinennutzer verloren hatte. Die wechselten dann mal schnell zu Bing, dem Microsoft-Konkurrenten. Ersten Meldungen zufolge wird nun gerade dessen Portal „Ciao“ vermittels Panda böse Verluste einstreichen müssen. Welch Zufall! Auch das Frage-Antwort-Portal „gutefrage.net“ verlor kräftig – ebenso wie andere Portale, die ähnliche Teildienste anbieten wie Google selbst.

Nicht, dass ich darüber traurig wäre. Doch so richtig spannend wird es  erst, wenn man sich die Gewinner ansieht. Hierzu gehören zum Beispiel Seiten wie Wikipedia, YouTube, Amazon.de und Facebook. Von der heiß geliebten Wikipedia mal abgesehen – gelten die übrigen drei etwa als Anbieter von qualitätsvollem, tieferem Content? Finden dort regelmäßig Wettbewerbe und Ausschreibungen für Hochglanzjournalismus statt?

Nein, liebe Gemeinde, ihr könnt den Schlachtruf wiederholen, so oft ihr wollt. Ich bleibe skeptisch. Ein Lobgesang des guten Textes wird daraus nicht. Schau’n wir halt mal, was für uns zu tun bleibt.

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