Wer nach Dänemark auswandert, merkt schnell: Es gibt zwei Dinge, ohne die praktisch nichts läuft. Das ist zum einen die dänische Personen- und Steuernummer (CPR), zum anderen die digitale Identitätsnummer (MitID).
In diesem Beitrag erkläre ich, wofür du CPR und MitID benötigst und wie du sie (online) beantragen kannst.
Die CPR-Nummer – mehr als nur eine Identifikationsnummer
Das Kürzel CPR steht für Central Person Register, auf Deutsch: Zentrales Personenregister. Das Register erfasst alle in- und ausländischen Personen, die sich länger als drei Monate in Dänemark aufhalten. Du musst daher auch als EU-Bürger eine CPR beantragen, wenn du länger als drei Monate im Land bleiben willst. Die Voraussetzung ist, dass du eine feste Wohnadresse und eine Aufenthaltserlaubnis hast.
Kaufst du in Dänemark ein Haus, beantragt der Makler meist eine vorläufige CPR für dich. Die wird nach deinem Umzug dann als dauerhafte CPR eingetragen. Das macht die Kommune, bei der du dich nach dem Umzug anmeldest. Die CPR-Nummer besteht aus deinem Geburtsdatum und einer vierstelligen Nummer, die nach dem Zufallsprinzip vergeben wird. Sie ist lebenslang gültig, auch wenn du Dänemark eine Zeitlang verlässt und nach Jahren wiederkehrst.
Da die CPR-Nummer zugleich deine Steuernummer ist, kannst du sie als vorläufige Nummer auch direkt beim dänischen Finanzamt (SKAT) beantragen. Dafür musst du aber bereits eine MitID haben.
Eine CPR-Nummer ist zudem Voraussetzung, um in Dänemark die gelbe Krankenversicherungskarte (sundhedskort) zu erhalten. Für Ausländer, die keinen dänischen Pass haben, dient die Sundhedskort gleichzeitig als ein Ausweis-Ersatz. Denn die Sundhedskort erhält man nur bei gültiger Aufenthaltsgenehmigung.
MitID – dein digitaler Zugang zu Behörden und Online-Dienstleistungen
Die zweite wichtige Kennziffer in Dänemark ist deine MitId. MitID bedeutet übersetzt „meine ID“. Die MitID ermöglicht dir den Zugang zu diversen Onlinediensten. Du benötigst sie, wenn du dich in deinen Bürger-Account einloggen willst, über den du direkten Kontakt mit Behörden hast. Oder wenn du deinen Bibliotheksaccount, dein Bankkonto, deine Versicherungen oder deinen Stromvertrag online aufrufen und nutzen willst.
Deine MitID besteht aus einer VerbraucherID (UID), einer sechstelligen Ziffernfolge, und einer ebenfalls sechsstelligen PIN. Ihr Vorteil ist, dass du nicht für jeden Dienstanbieter einen eigenen Zugang mit E-Mail-Adresse und Passwort einrichten musst. Stattdessen gibst du auf der Website des Anbieters deine Verbraucher-Nummer ein, öffnest die App auf dem Handy via Eingabe deiner PIN , scannst mit dem Handy einen Barcode und gibst die Anwendung schließlich durch die Eingabe deines MitID-Passwortes frei.
Fast wie Onlinebanking also. Nur vielseitig nutzbarer.
Nachteile und Gefahren einer digitalen Identität
Der Nachteil ist natürlich, dass du ohne CPR und MitID als Ausländer in Dänemark von vielen Dienstleistungen ausgeschlossen bist. Denn ob du den dänischen Zahlungsanbieter mobilepay nutzen oder einen Handyvertrag abschließen willst – ohne Registrierung und MitID läuft nichts.
Insgesamt ist das dänische System aus MitID, CPR und Sundhedskort ohnehin so geschlossen, dass es mich anfangs manchmal ein wenig an Szenen aus Hašeks Roman „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ erinnerte: ohne Wohnung keine Aufenthaltsgenehmigung, ohne Aufenthaltsgenehmigung keine CPR, ohne CPR keine Wohnung …
Als Deutsche bin ich es zudem gewohnt, solchen Identifizierungsverfahren gegenüber eine gehörige Portion Skepsis mitzubringen. Meiner Ansicht nach schadet das auch weiterhin nicht. Denn ja, die MitID macht dich auf eine Art zum „gläsernen“ Menschen. Nur erlebe ich das in Dänemark nicht annähernd als so bedrohlich wie es in Deutschland für mich der Fall war.
Vielleicht, weil die Grundhaltung zum Staat hier eine andere ist. Weil man trotz all des preußischen Gehabes, das einige dänische Behördenvertreter Zuwanderern gegenüber aufweisen, das Gefühl hat, dass sie letztlich Land und Leuten dienen. Und weil das Vertrauen der Leute in den dänischen Staat noch entsprechend groß ist. Letztlich aber wohl auch, weil die Sache (meistens) funktioniert und die Erleichterung vor allem für Landbewohner spürbar ist.
Aber ist es nicht gefährlich, für so viele wichtige Vorgänge ein und dieselbe App und dasselbe Passwort zu nutzen?
Jein. Natürlich musst du dich auch und gerade in Dänemark vor Identitätsdiebstahl schützen. Es gibt sogar eine eigene Versicherung dafür. Aber: Um deine MitID nutzen zu können, müsste ein Handydieb das Passwort für dein Smartphone knacken und deine UID wie auch deine MitID-Pin kennen. Im Moment sind die Chancen dafür noch gering. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen.
Die MitID kannst du ebenfalls beim Bürgeramt beantragen. Alternativ kannst du dir die App auf ein Smartphone herunterladen und den Antrag online durchführen. Du benötigst ein Mobilgerät mit neuerem Betriebssystem und einen Ausweis oder Reisepass mit Online-Chip.
Warum dieses System so gut funktioniert
Die relativ simple Kombination aus CPR, MitID und Gesundheitskarte ermöglicht eine konsequente Digitalisierung in Dänemark. Prozesse, die in Deutschland Tage oder Wochen dauern, sind in Dänemark oft in wenigen Minuten erledigt. Die Steuererklärung zum Beispiel, die Anmeldung eines neuen Unternehmens oder die Verlängerung deiner ausgeliehenen Bücher in der Bibliothek.
Man muss aber fairerweise sagen: Dänemark hat auch nur 5 Millionen Einwohner. Was bedeutet: Selbst deine Handynummer kannst du hier locker auswendig lernen, weil du dir viel weniger Ziffern merken musst. In Deutschland mit seinen 80 Millionen Einwohnern würden wahrscheinlich endlose Zahlenschlangen bei dem Versuch herauskommen, es den Dänen gleichzutun.
Die Kommunikation mit Behörden und Ärzten läuft in Dänemark ebenfalls überwiegend online ab. Für die Kommunikation mit Behörden registrierst du dich mit deiner Onlineidentität auf einem dafür vorgesehenen Portal, zum Beispiel auf borger.dk.
CPR und MitID sind in Dänemark somit keine Ziffernfolgen, die du einmal im Jahr mühsam in deine Steuererklärung überträgst. Sie sind Wegbegleiter, die dir zahlreiche Türen zu ganz unterschiedlichen Serviceleistungen eröffnen. Umso wichtiger, dass du sie möglichst rasch beantragst. Denn die Kehrseite der Medaille ist, dass viele Türen versperrt bleiben, solange du noch auf die Registrierung wartest.
Ein Gedanke zu „Kein Anschluss ohne diese Nummern: CPR und MitID in Dänemark“
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