Suchmaschinenoptimierung – vom Keywordstuffing zum ehrlichen Text

Vor einigen Tagen war es mal wieder so weit. Ich erhielt die Anfrage, ob ich einen keywordoptimierten Text über eine Dienstleistung schreiben könne. Der Text sollte 400 bis 700 Wörter umfassen. Davon sollten dann allerdings mindestens 250 Wörter den Keywords (darunter viele Long-Tail-Phrasen, also mehrgliedrige Keywords) vorbehalten sein.

Ich riet dem Auftraggeber ab – zum einen, weil sich kein sinnvoller Text schreiben lässt, wenn jedes zweite oder dritte Wort ein Keyword ist. Aber er blieb hartnäckig bei seinem Wunsch. Das Ergebnis war dann die zu erwartende Katastrophe und der Auftraggeber war enttäuscht. Schließlich hatte ich ihm vorher schon bessere, emotional ansprechende Texte geschrieben.

Ja Herrschaftszeiten, Leute, man muss doch nur einmal die Probe aufs Exempel machen: Versuche einen Satz zu sagen, in dem jedes zweite und dritte Wort “Kirschbaum” lautet. Oder: “Was kostet ein Kirschbaum?” Was soll denn dabei emotional Packendes herauskommen?

Weil die Annahme, dass das wüste Verwursten von Keywords irgendwie zielführend sei, aber immer noch durch zahlreiche Köpfe spukt, habe ich mich hingesetzt und aufgeschrieben, wie es besser geht.

Schließlich haben sich die Algorithmen der Suchmaschinen längst weiterentwickelt – sodass die starke Fokussierung auf Keywords weder notwendig noch nützlich ist. In diesem Beitrag möchte ich dir daher zeigen, warum du von einem inflationären Keyword-Gebrauch lieber die Finger lassen und dich stattdessen auf deine Zielgruppe und deine Inhalte konzentrieren solltest.

Was ist Suchmaschinenoptimierung?

Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist die Kunst, Inhalte (Content) für Deine Website so zu gestalten, dass sie ein gutes Ranking und damit hohe Besucherzahlen erzielen. Man unterscheidet dabei Maßnahmen und Methoden, die du direkt auf deinen Seiten (onpage) oder als Verweis auf deine Website (offpage) durchführst.

Zur Onpage-Optimierung gehört in erster Linie das Einstellen von hochwertigem Content, der

  • so strukturiert ist, dass die Suchmaschinen ihn eindeutig indexieren und zuordnen können.
  • deinen Besuchern einen Mehrwert bietet.

Vom Keywordstuffing zum Content

In den Anfängen des World Wide Web musste man den Suchmaschinen noch sehr klare Hinweise geben, was das Thema oder der Inhalt einer Website war. Dies geschah insbesondere durch die ausufernde Verwendung sogenannter Keywords. Keywords sind Schlüsselbegriffe, mit denen Nutzer im Web nach bestimmten Angeboten oder Dienstleistungen suchen.

Viele Webseitenbetreiber versuchten Suchmaschinen und Nutzer einzufangen, indem sie ein wichtiges Keyword so oft wie möglich in ihren Texten unterbrachten. Dabei entstanden dann grauenhafte Worthalden, in denen ein Suchbegriff ohne Sinn und Zusammenhang ständig wiederholt wurde. Inhalte, Angebote, Mehrwert blieben dagegen auf der Strecke. Und auch nach Kontaktinformationen suchte man oft vergeblich.

Doch die Zeiten und die Algorithmen wandeln sich – zum Glück. Wer heute noch auf sinnbefreite Texte setzt, die sich einzig um eine hohe Keyworddichte ranken, sieht sich bald dafür abgestraft – und landet schlimmstenfalls in der sogenannten Sandkiste der Suchmaschinen, also auf den letzten Plätzen der SERP.

Eine Zeitlang versuchte man, die Keyworddichte durch eine stärkere Gewichtung des Kontextes, innerhalb dessen ein Suchwort erscheint, zu ersetzen (Stichwort: WDF-IDF). Doch auch dieser Weg erwies sich als wenig zielführend. Weshalb man schließlich zum eigentlichen Inhalt einer Website zurückkehrte: dem König Content. Denn nur auf deine Zielgruppe und ihre Anliegen abgestimmte Inhalte führen dazu, dass du dich gegenüber den vielen Mitbewerbern, die du online nun mal hast, mit deinem speziellen Angebot durchsetzen kannst.

Aktuelle Suchmaschinenoptimierung verzichtet daher nicht völlig auf relevante Keywords, kümmert sich aber in erster Linie um die Content-Optimierung. Qualität schlägt Quantität – auch bei den Besucherzahlen. Denn letztlich bringen dir auch noch so viele Zufallstreffer keine neuen Kunden. Auf die richtigen Besucher kommt es an!

Guter Content erfordert den Perspektivwechsel

Nicht nur die Nutzer des World Wide Web sind heute aufgeklärter, was die Tricks und Methoden im Onlinemarketing anbelangt. Auch die Algorithmen der Suchmaschinen benötigen kein Keywordstuffing mehr, um deine Inhalte, Texte, Angebote und Leistungen klar einordnen zu können. Du kannst dich also zurücklehnen und stattdessen darüber nachdenken, was du deinen Kunden oder deiner Klientel wirklich sagen möchtest. Und wie du es am besten tust.

Entsprechend sind Texte, die für Nutzer und Suchmaschinen optimiert wurden, heute

  • informativ oder unterhaltsam,
  • angenehm zu lesen,
  • werblich, aber nicht marktschreierisch formuliert
  • und sie nehmen die Perspektive deiner Kunden und Interessenten ein.

Keywords gebrauchst du sowieso – aber welche Antworten erwarten deine Besucher?

Dass die Nutzung relevanter Keywords dabei immer noch eine Rolle spielt, ergibt sich aus der Natur der Sache selbst. Schließlich geht es in deinen Texten um genau die Inhalte, für die du und dein Unternehmen stehen. Wenn du also davon berichtest, wenn du Beschreibungen und Produktpräsentationen einfügst, wenn du aus dem Nähkästchen plauderst oder die Story deines Unternehmens erzählst, dann werden diese Begriffe schon fallen. Du musst sie nicht erzwingen. Bringe lediglich alles in eine geordnete und sinnvolle Reihenfolge.

Gute Suchmaschinentexte unterscheiden sich also von anderen Texten nicht darin, dass sie deine Besucher mit Keywords erschlagen. Sie sind auf ein bis drei Begriffe fokussiert, die für deine Zielgruppe wichtig sind. Sie geben Antworten auf dringende Fragen, mit denen Nutzer auf deine Seite kommen. Sie müssen auch nicht „knallen“ oder deine Besucher „hypnotisieren“ (es sei denn, du bist Schlagzeuger oder Hypnotiseur).

Zeig nicht alles, was du hast. Sondern das, was gerade benötigt wird.

Stelle dir einfach vor, deine Klospülung ist kaputt und du suchst nach jemandem, der sie rasch und günstig repariert. Möchtest du dich dann Seite um Seite durch tolle Texte und Bilder klicken, die dir zeigen, wie eine schöne und gut funktionierende Klospülung aussieht? Wie toll sich dein Leben anfühlt, wenn du erst das neue Luxusbad gekauft und eingebaut hast? Oder möchtest du rasch etwas über Zeiten, Preise und Kontaktdaten des regional ansässigen Installateurs erfahren?

Klar, wer Produkte verkauft, muss diese attraktiv präsentieren. Entsprechend hoch sind heute die Ansprüche an die visuelle Gestaltung von Webseiten. Doch manchmal sind dann eben auch andere Aspekte wichtig. Dann wollen sich deine Besucher nicht durch langatmige Versprechen lesen, interessieren sich gerade nicht für deine Unternehmenshistorie und brauchen auch keinen ausufernden Willkommensgruß oder eine liebevolle Beteiligungskultur in deiner Community. Sie wollen deine Hilfe, jetzt und sofort.

 

 Das magische Dreieck: deine Zielgruppe, ihre Anliegen, dein Angebot

Willst du einen Text schreiben, der deiner Zielgruppe wirklich weiterhilft und der auch für die organischen Treffer der Suchmaschinen optimiert ist, überlege dir daher:

  1. Worum geht es meinen Besuchern? Mit welchen Begriffen und Fragen suchen sie nach meinem Angebot?
  2. Welche Fragen, Wünsche, Anliegen, dringenden Probleme haben sie?

Versuche dann, von Anfang an mit deinem Besucher in einen Dialog zu treten. Stelle dir vor, der Besucher hat soeben bei Google eine Suchanfrage eingegeben und landet nun auf deiner Seite. Unterhalte dich mit ihm:

  • Warum bist du hier?
  • Was biete ich dazu an?
  • Was nützt dir das?
  • Wie funktioniert das?
  • Warum solltest du gerade mein Angebot annehmen (Alleinstellungsmerkmale)?
  • Wie wird es dir gehen, wie wirst du dich fühlen, was passiert in deinem Leben, wenn du es tust?

Und schließe deinen Text dann mit einer klaren Handlungsaufforderung (Call to Action) ab.

Kurz und gut: Je näher du an den Wünschen deiner Zielgruppe bist, je besser es dir gelingt, ihre Sprache zu sprechen, ihre Anliegen zu verstehen und darauf einzugehen, desto präziser können deine Antworten und Angebote sein. Und genau darauf kommt es im Netz an. Denn anonyme Standardantworten und Versprechen gibt es schon genug.

Kommunikation im Web ist Kommunikation unter Abwesenden. Tritt in einen Dialog, um die Kluft zu überwinden!

Das Erste, was du tun musst, wenn du guten Content für deine Website erstellen willst, ist also überlegen: Zu wem spreche ich überhaupt? Was erwartet meine Zielgruppe und was kann ich ihr bieten? Klingt banal, wird aber leider zu oft vernachlässigt.

Hast du dich mit den Inhalten deiner Texte befasst, bringst du sie in eine übersichtliche Form. Dabei achtest du auf folgende Punkte:

  • Dein Text behandelt ein spezielles Anliegen deiner Zielgruppe.
  • Du zeigst, dass du weißt, worum es geht, dass du eine Lösung parat hast und machst es deinen Besuchern so leicht wie möglich, diese anzufordern.
  • Du strukturierst Deinen Text übersichtlich, arbeitest mit einer prägnanten Headline, informativen Subheadlines einem kurzen Teaser und ausgewählten Keywords, die du spärlich und nur dort, wo es wirklich passt, einsetzt.
  • Du beendest deinen Text mit einer Handlungsaufforderung, damit deine Besucher wissen, wie sie dein Angebot sofort in Anspruch nehmen können.

 

Landingpages für verschiedene Zielgruppen einrichten

Willst du deine Texte weiter verfeinern, arbeitest du am besten mit Landingpages für verschiedene Zielgruppen. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen. Stell dir vor, du leitest ein Beerdigungsinstitut. Deine Interessenten lassen sich in zwei große Zielgruppen unterscheiden. Da ist zum einen die Gruppe all jener, die sich gerade in einer verzweifelten Situation befinden, weil eine nahestehende Person gestorben ist. Sie müssen jetzt rasch eine Beerdigung organisieren.

Die zweite Gruppe sind Personen, die sich schon mal vorsorglich informieren wollen, wie eine Beerdigung abläuft, welche Kosten anfallen und dergleichen. Vielleicht planen sie sogar ein Happening für die eigene Beerdigung. Beide Gruppen kommen zwar aus übergeordneter Sicht mit einem ähnlichen Anliegen, nach dem sie mit Begriffen wie „Beerdigung Kosten“ oder „Beerdigung Ablauf“ gesucht haben. Sie befinden sich aber in völlig unterschiedlichen Ausgangssituationen.

Reagiere darauf, indem du unterschiedliche Landingpages für sie einrichtest, auf denen du sie situationsbezogen ansprechen kannst. Ergänze deine Keywords um entsprechende Hinweise, an wen sich die jeweilige Unterseite richtet. Zusätzlich kannst du Ratgeber und Checklisten verfassen, Angebotspakete erstellen und natürlich eine persönliche Beratung anbieten. Für die langfristigen Planer dagegen legst du vielleicht ein Blog an, auf dem du über besondere Beerdigungen, Erlebnisse, den nahe gelegenen Friedwald oder die Feuerbestattung berichtest.

Keywords ermitteln und anpassen

Verfasse Seitentitel, die genau zugeschnitten sind, also beispielsweise: „Beerdigung – was tun“ oder „Beerdigung langfristig planen“. Und gestalte deine Startseite so, dass deine Besucher sofort überblicken, wo sie welche Informationen erhalten.

Hast du auf diese Weise bei deinen Texten und Beiträgen die Fragen, Wünsche und Anliegen deiner Zielgruppe vor Augen, ergeben sich die Keywords von selbst. Zur Not schaust du noch mal, welche Vorschläge die Suchmaschinen dir machen oder nutzt entsprechende Tools wie beispielsweise den Keywordplaner von Google AdWords.

Kurz und gut: Niemand muss heute mehr Sätze und Formulierungen verbiegen, um spannende oder informative Texte zu schreiben. Schreib doch einfach ehrlich – und verzichte darauf, Keywordstuffing zu betreiben – schon dadurch wirst du dich angenehm von Mitbewerbern unterscheiden.

Klingt alles einleuchtend, aber das Texten will trotzdem nicht so recht gelingen? Ich helfe gern! Schicke mir deine Anfrage an: fragen@texterinbremen.de.

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