Typische Fehler in Webtexten

Die ersten Wochen nach meinem Urlaub sind verstrichen und zum Glück waren die Auftragsbücher gut gefüllt. Während ich recherchierte und formulierte, überarbeitete und verwarf, fielen mir wiederholt einige Denk- und Merkwürdigkeiten auf, die ich als „typische Fehler in Webtexten“ notierte.

Einige davon habe ich für diesen Beitrag zusammengestellt und kommentiert. Doch ist mir folgende Bemerkung wichtig: Ich sammle und interpretiere solche Fehler nicht, um mich über andere lustig zu machen. Ich hasse solche Bezeichnungen wie „Deppenapostroph“ und bin auch kein Sprachpurist. Also bitte, nimm solche Sammlungen als Anregung, ungünstige, missverständliche oder ungewollt komische Formulierungen in den eigenen Texten aufzuspüren und nicht als Vorschrift von der Sprachpolizei!

Schon klar? Los geht’s!

Fasse dich kurz, aber verkürze dich nicht!

In den meisten Ratgebern zum Texten fürs Web findet sich der Hinweis auf die gebotene Kürze und Prägnanz von Sätzen und Slogans. Dass sich dahinter eine der schwierigsten Übungen verbirgt, verrät ein Blick auf folgende Aussagen:

„Wir haben bereits zahlreiche Kunden entwickelt und umgesetzt.“

„Für den Ausbau unserer Abteilung und unserer Kunden suchen wir Sie.“

Dabei sind es natürlich nicht die Kunden, die entwickelt und umgesetzt werden sollen, sondern deren Wünsche oder Projekte. Und auch einem weiteren Ausbau würden Kunden eher nicht zustimmen, auch wenn sie es positiv zur Kenntnis nehmen, dass ein Unternehmen wächst.

Wer versucht, alles in einem Satz zu sagen, bringt oft Stilblüten hervor, die in der Rhetorik als Zeugma oder Syllepse bezeichnet werden. Ein Meister der Verknappung war Heinz Erhardt, der sich laut Wikipedia mit den Worten vorstellte: „Ich heiße nicht nur Heinz Erhardt, sondern Sie auch herzlich willkommen.“ Das ist komisch, in den genannten Beispielen oben aber nicht gemeint. Daher mein Tipp: Gib acht, dass sich in Aufzählungen oder Reihungen tatsächlich alles korrekt aufeinander beziehen lässt.

Kleine Wörter von großer Fehleranfälligkeit: Präpositionen

Ohne Präpositionen würden wir uns in Zeit und Raum kaum zurechtfinden. Ärgerlich nur, dass die kleinen Wörter, die so einfach daherkommen, in jeder Sprache ihre eigene Logik entwickelt haben, wie sie verwendet werden wollen. Und die ist nur schwer zu begreifen. Dass sich etwas auf, neben oder unter dem Tisch befindet, ist ja noch verständlich. Was aber bedeutet es, wenn wir um oder gegen 09:00 Uhr eintreffen werden?

Auch im Zusammenhang mit Präpositionen fallen mir im Netz immer wieder typische Formulierungen auf, die „eigentlich“ nicht ganz richtig, sehr umständlich oder aber missverständlich sind. Dazu gehört beispielsweise

„Für die Beschaffung von Krediten ist der Nachweis eines Systems für Kreditunternehmen ein wichtiger Faktor bei der Genehmigung und für die Bestimmung der Höhe der Zinsen.“

In diesem Beispiel handelt es sich um einen typischen Nominalstil. Dem Verfasser ist es schlichtweg egal, wie sein Satz klingt, er möchte einzig Informationen „transportieren“. Verwirrend ist daran, dass die Präposition „für“ gleich dreimal verwendet wird, und zwar in verschiedenen Bedeutungen. Mal gibt sie einen Zweck an, mal definiert sie einen Adressaten.

Die Präpositionen werden hier wie Fugenkleber verwendet, die den Laden zusammenhalten. Dabei hätte man das Ganze schon noch ein wenig zurechtruckeln können, beispielsweise so:

Für Kreditunternehmen ist der Nachweis eines Systems ein wichtiger Faktor, der die Genehmigung und die Bestimmung der Zinshöhe von Krediten beeinflusst.

Butter bei die Fische

Stets neu ins Sinnieren bringt mich auch die Verwendung der Präposition „bei“. Vielleicht täusche ich mich, aber ich habe den Eindruck, dass „bei“ mittlerweile inflationär verwendet und überall eingefügt wird, wo man sich nicht ganz sicher ist, was man eigentlich sagen will. Im oben erwähnten Beispiel jedoch steht „bei“ an genau der Stelle, an der sonst ein viertes „für“ hätte erscheinen müssen. So gesehen, die bessere Lösung.

Aber wie verhält es sich in Sätzen wie:

Wir unterstützen Sie bei allen Fragen rund um unsere Produkte.

Hier erzeugt die Kombination eines schlecht gewählten Verbs mit der Präposition bei den leicht schrägen Eindruck. Klar, ich kann jemanden darin unterstützen, Fragen und Lösungen zu entwickeln oder zu finden. Zur Not helfe ich auch bei der Formulierung von Fragen. Aber „bei Fragen“ unterstützen kann ich nicht, oder? Es sei denn, ich gebe, wie man hier im Norden sagt, ordentlich „Butter bei die Fische“.

Auch Nebensachen vermitteln dein Hauptanliegen

Als Verkürzung von Satzaussagen genutzt wird häufig auch die Präposition „neben“, und zwar in folgender Formulierung:

Neben der Verwendung von Präposition helfen wir Ihnen auch bei anderen Fragen und Anliegen.

Diese Formulierung ist ein Beispiel für einen äußerst sparsamen Wortgebrauch, gleichzeitig aber totaler Murks. Drehen wir den Satz einmal um, wird dies deutlicher: Wir helfen Ihnen auch bei anderen Fragen und Anliegen neben der Verwendung von Präpositionen.

Neben Hosen bieten wir auch Kleider und Taschen an. Neben der Verwendung von Präpositionen interessiert uns die Korrektur von Tippfehlern. So wäre es richtig. Denn hier werden alle Elemente mit einem passenden Verb verbunden.

Für wo ist das gut? Fragen richtig formulieren

Wozu oder zu was das jetzt gut ist? Bleibe bitte beim ersten Fragewort! Denn mit Adverbien, die aus dem Fragewort „wo“ und einer Präposition zusammengesetzt sind, fragst du nach Dingen oder Ereignissen. Nur, wenn du nach Personen fragst, löst du die beiden Komponenten voneinander und veränderst sie:

Für wen ist das Paket? An wen denkst du?

Wofür ist das Paketband? Woran denkst du?

„Für was“ wird zwar häufig verwendet und vom Duden auch gebilligt. Es tritt aus der Logik dieses Systems dennoch heraus.

Alles erlaubt? Triff eine Entscheidung und bleibe dabei!

Bei uns lernen Sie die wichtigsten Methoden kennen und anzuwenden.

Noch so ein Satz, der Erbsenzähler nervös macht. Schon der Superlativ (die wichtigsten) bringt mich ins Grübeln. Die wichtigsten Methoden – das klingt in meinen Ohren wie eine Beschränkung. Warum also nicht beim Komparativ bleiben und wichtige Methoden unterrichten?

Sodann wird das Verb „lernen“ einmal mit „kennen“ und einmal mit „anzuwenden“ verbunden. Menschen meines Jahrgangs haben gelernt, dass „lernen“ keinen Infinitiv mit zu erfordert:

Wir lernen sehen, interpretieren, sprechen, schreiben.

Jüngere Leute verwenden hier aber oft den Infinitiv mit zu, insbesondere, wenn es sich um einen erweiterten Infinitiv handelt:

Wir lernen etwas zu sehen, zu interpretieren, zu schreiben.

Beide Formen gelten heute als richtig bzw. werden auf die genannte Art verwendet. In einem Satz aber sollte man sich entscheiden, ob nun ein Infinitiv mit oder ohne „zu“ folgen soll.

Und das gilt generell für alle Begriffe und Regeln, wenn mehrere Varianten möglich und richtig sind. Ob Du „Potenzial“ oder „Potential“ schreibst, „sodass“ oder „so dass“, „du“ oder „Du“ – wer sollte es dir verbieten? Ein entspannteres Lesen ermöglichst du deiner Zielgruppe aber in jedem Fall, wenn du dich für eine Schreibweise entscheidest. (Sagt bezeichnenderweise eine, die sich zwischen „du“ und „Du“ nie entscheiden kann.)

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